Dies ist die Geschichte von Jonas, der im Juli 2009 Familie, Freunde und Heimat verlassen hat, um für ein Jahr in Kodaikanal, einem kleinen Ort auf einem Berg im Bundestaat Tamil Nadu in Indien, im Social Experience Department der Kodaikanal International School zu arbeiten.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Shenbanganeur Orphanage

Gestern waren wir im Waisenhaus.
Es war eine absolut emotionale Erfahrung mit ganz vielen verschiedenen Gefühlen, die an einem herumreißen.
Aber zuerst einmal: Warum waren wir da?
Es gibt hier ein paar holländische Schülerinnen, die leider nur für ein paar Wochen hier sind. Diese haben in ihrer Heimat Geld gesammelt, um es hier für das Waisenhaus zu spenden.
Nachdem sie sich schon vor ein paar Tagen die Örtlichkeiten angeguckt und mit den Kindern ein wenig Zeit verbracht haben, war ihre erste Handlung, Jacken und Schuhe für die Kids zu kaufen.
Diese haben wir dann gestern verteilt (ich bin auf keinem Photo zu sehen, da ich alle geschossen habe ;-) ).
Ein paar Photos stelle ich hier schonmal hoch.

Die Eindrücke, die man von den Waisenkindern kriegt, sind sehr ambivalent. Einerseits sind das so viele süße und hübsche Kinder, die viel lächeln und die man eigentlich am liebsten alle sofort adoptieren würde.
Andererseits wird man ganz schnell sehr traurig, da man weiß ("weis"? Internet macht mich nicht schlauer), dass diese Kids ohne richtige Familie in nicht gerade guten hygienischen und wohntechnisch idealen Verhältnissen und mit einer absolut mangelhaften Bildung aufwachsen. Die Aufseherinnen sind auch meistens zu hinterfragen, da sie zwar, wenn wir da sind, einigermaßen freundlich sind, man aber schnell den Verdacht kriegt, dass die meisten von ihnen übermäßig streng sind. Man hat das Gefühl, dass diese Kids nicht als einzelne Individuen gesehen werden, sondern schon fast als "Sache" hin und hergezogen und benannt werden. Der Klos im Hals wird von Zeit zu Zeit größer.
Nichts desto trotz sieht man diesen Kids an, dass sie dennoch tapfer sind und sie sich das Lachen nicht nehmen lassen.

Es wird jetzt begonnen, die Küche einigermaßen wasserdicht zu machen. Bisher wird über einer offenen Feuerstelle gekocht, über der nur ein einfaches ca 20 cm breites Loch in der Decke ist. Logischerweise tropft es dort stetig rein. Heute wird begonnen, dort eine Art mechanisches Abzugssystem einzubauen. Hoffentlich funktioniert es, ansonsten gibt es noch eine Idee für ein anderes System, das ein Vater der holländischen Mädels entworfen hat.

Jeden Samstag geht das SoEx mit Schülern ins Shenbanganur Orphanage und es wird Essen verteilt, den Kids vorgelesen und mit ihnen gespielt. Die Jungs sind natürlich immer dabei, wenn die Schüler einen Fußball mitbringen und mit ihnen ein bisschen spielen.
Ich werde leider am Samstag nicht mit dabei sein können, weil ich wieder das Green Team leite, aber ich hoffe, dass ich in der Zeit, in der ich hier bin, so viel für das Orphanage tun kann, wie möglich. Und das Schöne ist, dass man echt viel effektives tun kann! Es bewirkt etwas. Zum Beispiel haben die Kids inzwischen Zahnbürsten erhalten und die holländischen Mädels haben schon Zahnpasta gekauft. Bald also werden wir ihnen auch Zahnpasta geben und ihnen zeigen, wie man sich die Zähne putzt.

So, nun ist wieder Büroarbeit gefragt .. puh.

=)







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