Dies ist die Geschichte von Jonas, der im Juli 2009 Familie, Freunde und Heimat verlassen hat, um für ein Jahr in Kodaikanal, einem kleinen Ort auf einem Berg im Bundestaat Tamil Nadu in Indien, im Social Experience Department der Kodaikanal International School zu arbeiten.

Sonntag, 13. September 2009

Ultimate Frisbee, Kühlschrank & die Anti-Chili

Auch dieses Wochenende habe ich wieder Bin Labeling und Food Distribution geleitet, doch da ich da schon drüber berichtet habe, werde ich heute einmal beschreiben, was man als Volunteer in Kodai am Wochenende so alles treibt:

Der Freitag war relativ ruhig und ereignislos (außer, dass wir, wie ich gleich noch berichten werde, einen Kühlschrank gekriegt haben).

Am Samstag jedoch war abends eine nette Party bei einer Freundin, die direkt um die Ecke wohnt. Sophie, genaugenommen die Freundin meines Mitbewohners, hat ihren Geburtstag nachgefeiert. Es waren knapp 15 Leute da und der feuchtfröhliche Abend ging bis spät in die Nacht.

Am Sonntag dann wurde Ultimate Frisbee gespielt. Das war eine tolle Sache, vor allem, da es in Strömen (!!) gegossen hat und wir mehr damit beschäftigt waren, unsere T-shirts auszuwringen, als wirklich zu spielen. Man kann es "Ironie des Schicksals" nennen, dass meine kurze Sporthose in der Wäsche war und ich an diesem Tag eine Badehose anhatte.
Mein Mitbewohner Oliver, der noch Minuten zuvor alle, die nicht in den Regen gelaufen sind, großkotzig als "Sissi" bezeichnet hat, ist schon nach knapp 20 Minuten nach Hause gegangen :-D. Wir anderen haben knapp 1 1/2 Stunden knallhart durchgespielt und sind triefend nass und voller Matsch in freudiger Erwartung einer heißen Dusche nach Hause gegangen.
Leider ist die Schülerin, die zugeguckt hat und der ich meine Kamera in die Hand gedrückt habe, nicht so sehr mit der Technik von Fotos bzw. Kameras vertraut, sodass die Aufnahmen ein wenig schlecht sind. Egal, hier sind sie.

Wir haben jetzt einen Kühlschrank =). Nachdem ich ein wenig quengelnd die Schulleitung (genaugenommen das Human Resources Department) bearbeitet habe, kamen am Freitag ein paar nette Herren mit einem großen, roten Kühlschrank inklusive Gefrierfach zu uns nach Hause. Ich habe zwar knapp eine halbe Stunde gebraucht, um das unerträgliche extrem laute Knattern mit alten Holzstücken aus dem Feuerholz in ein immer noch relativ lautes aber deutlich erträglicheres Summen zu verwandeln, doch wir werden bald ein Stativ dafür kaufen.

Und wo wir schon bei Küche sind: Auch Chilis sind nur Menschen.

Ich habe auf dem Sonntagsmarkt letzte Woche ein paar Chilis gekauft und eine einzige Chili ist, im Gegensatz zu den anderen grünen Chilis, von einen Tag auf den anderen knallrot geworden. Entweder ihr ist etwas furchtbar Peinliches zugestoßen, oder es will sich einfach nicht dem Mainstream anpassen. Nur tote Chilis schwimmen mit dem Strom, oder so... Den Frühzünder habe ich auf jeden Fall einmal fotographiert.

Und da sich meine kleine Schwester immer beschwert, dass ich ihr in meiner knappen Zeit nur spärlich antworte, hier ein kleiner Beitrag für sie:

Meine Schwester erlebt in letzter Zeit richtig viel. Zum einen ist sie auf einen Schlag das einzige Kind zu Hause. Vorher noch von drei großen Brüdern gequält und behütet, nun auf sich alleine gestellt mit neuen Freiheiten aber wohl auch mit einer gewissen Menge Langeweile.

Die ehemals kleine blonde behütete Prinzessin Felicitas, auch die Gewitter-Hexe Lilli, die sich immer gegen ihre drei großen Brüder durchsetzen muss, wird langsam aber sicher zur jungen Frau, die schon mit 17 ihr Abi macht und danach auf einen Praktikumsplatz in Panama hofft.

Da ließ das erste wirklich große Konzert ohne ein Familienmitglied, ein Clueso-Konzert in Hamburg, das mir auch von Freunden als bestes Clueso-Konzert aller Zeiten beschrieben wurde, auch nicht lange auf sich warten.

Sechzehn ist sie nun, mit vielen Freunden und sie muss sich meiner Meinung schon viel zu früh Gedanken über ihre Zukunft machen.

Zum Glück weiß ich, dass es immer noch genug Menschen gibt, die auf sie aufpassen.

Als ihr großer Bruder muss ich sagen, ist es schwer, gerade von ihr getrennt zu sein ... Sie ist nunmal meine kleine Schwester und ich kenne sie seit ihrer Geburt und habe sie behütet und beschützt ^^. Manchmal :-P (ne, Sebi?!).

Ein Foto kann ich leider nicht hochladen, da ich auf dem Computer kein Foto mehr von ihr habe, seitdem er vor einer Woche abgeschmiert ist. Dafür hängt sie eingerahmt in meinem Zimmer (genaugenommen trage ich sie auf meinem Rücken).

Das wars soweit von mir, bis bald

Jonas

=)




Samstag, 5. September 2009

Food Distribution & Led Zeppelin shirts

Nachdem ich am heutigen Samstag wieder das Bin Labeling geleitet habe, war ich auch noch das erste mal für „Food Distribution“ verantwortlich.
Das heißt, ich bin mit 3 Schülern (geplant waren 5) vormittags ins Mercy Home und nachmittags ins Shenbaganur Orphanage gefahren und wir haben Essen aus unserer Kantine verteilt.

An sich finde ich zwar das Essen in unserer Kantine nach einer gewissen Zeit nicht mehr attraktiv, jedoch ist es für das Mercy Home und das Waisenhaus wahrscheinlich das beste Essen in der Woche.
Deswegen ist man nach sechs Stunden Arbeit am Samstag (Bin Labeling und Food Distribution) zwar am Ende, jedoch ist man sich auch bewusst, was man geschafft hat.

Außerdem laufen hier viele Schüler mit Led Zeppelin T-shirts herum. Und da mein Bruder mir seines vermachte, besitze auch ich eines und zeige dieses des öfteren.
Da war es kein Zufall, dass mir Fiona, eine Schülerin, neulich "Jonas ... Led Zeppelin!!!" hinterherrief.
->*Knips*, schon wurde festgehalten.


=) Jonas



Mittwoch, 2. September 2009

Bin Labeling & der Mond

Hey Germans,

"hey German" höre ich hier häufiger. ;-)

Mir geht es hier immer noch richtig blendend gut.

Inzwischen haben wir einen neuen Volunteer im Büro. Roy, ein 21-jähriger Inder, der gar nicht indisch ist, akzentfrei spricht, wie ein Tibeter aussieht und alle möglichen Kulturen in den Genen hat. Tagsüber arbeiten wir zusammen, spätnachmittags sitzen wir noch im Büro und zocken öfter am PC und abends gehen wir auch mal ins Gym (= Sportraum).

Die letzten Wochen gab es hier eine übermäßige Angst vor Schweinegrippe.
Deswegen durfte sich kein Schüler außerhalb des Campus und der Dormplätze aufhalten, sodass die üblichen SoEx Aktionen (Waisenhaus, Mercy Home etc) die letzten zwei Wochen nicht stattfinden konnten.
Insofern haben wir uns andere sinnvolle Aktionen ausgedacht. Vorletztes Wochenende haben wir die Schüler Papier sammeln und außerdem Schablonen, auf denen "TRASH, no food" und "FOOD, no plastics, glass or metal" stand, machen lassen. Diese Schablonen haben wir letztes Wochenende benutzt: Insgesamt 76 Schüler in 9 Teams sind mit knapp 15 Chaperones (=Lehrer und anderes Staff, die die Teams geleitet haben) auf allen Schulgeländen herumgewandert und haben die Mülleimer angesprüht. Ich zeige euch ein paar Fotos von diesem "Bin Labeling", die ich geschossen habe.

Außerdem der Mond, fotographiert in Indien.

=) Jonas