Dies ist die Geschichte von Jonas, der im Juli 2009 Familie, Freunde und Heimat verlassen hat, um für ein Jahr in Kodaikanal, einem kleinen Ort auf einem Berg im Bundestaat Tamil Nadu in Indien, im Social Experience Department der Kodaikanal International School zu arbeiten.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Quartalsbericht

Hey Folks,

tut mir Leid, hier hat sich seit einer gewissen Zeit nicht so viel getan.

Ich habe heute meinen Quartalsbericht fertig gestellt und werde ihn hier einmal veröffentlichen.
Über einiges habe ich schon geschrieben, einiges, vor allem die letzten Absätze, sind neu.

Das war schon wieder ein kurzer Beitrag.
Bald wird es wieder längere auch mit Photos geben.

=) Jonas


Quartalsbericht:

Quartalsbericht von Jonas Hauke Kodaikanal, Tamil Nadu, Indien

Die ersten drei Monate meines Freiwilligen-Dienstes an der Kodaikanal International School, drei wundervolle Monate in der Comunity einer internationalen Schule oder auch: drei Monate Indien-Light

Nach einer turbulenten Hinreise bin ich am 16. Juli müde und erschöpft in Kodaikanal direkt in der Kodaikanal International School von Mario Schultz, meinem Vorgänger, empfangen worden.
Dass er und Elena Schepan noch für knapp 1,5 Monate mich durch meine erste Zeit in Kodai begleiteten, herumführten, allen möglichen Leuten vorstellten und einarbeiteten, war nicht nur angenehm, sondern auch Gold wert.
Einer der ersten Sätze Marios war: „Dir wird schnell bewusst, dass dieser Freiwilligen-Dienst wirklich etwas bewirkt.“
Und er hat Recht:
Ich arbeite im Social Experience Department. Das Department kümmert sich darum, dass die Schüler sich sozial engagieren. Dabei stehen wir im Kontakt zu mehreren Einrichtungen: Zwei Waisenhäusern (Shenbaganur und Tribal Orphanage), einem Altenheim (Mercy Home), einem Heim für Menschen mit „Special-Needs“ (Polio Home) und einer Grünanlage zur Neuerrichtung von durch Umweltverschmutzung gefährdeten Pflanzenarten.
Einer der ersten Plätze, die ich gesehen habe, war das Shenbaganur-Orphanage. Ein Waisenhaus mit geschätzten 30 Kindern zwischen 5-10 Jahren, das von viel zu strengen Frauen geleitet wird, aber unglaublich motivierte und süße Kinder beherbergt. Der Grund für den Besuch war, neben dem provisorischen Kennenlernen des Waisenhauses, dass holländische Austauschschüler in ihrer Heimat Geld gesammelt haben und Jacken und Schuhe für die Kinder gekauft haben.
Inzwischen bin ich jede Woche im Shenbaganur Orphanage. Jeden Samstag verteile ich mit 5 jeweils wechselnden Schülern Essen, das in der Kantine übrig blieb.
Doch leider haben wir immer mehr den Eindruck, dass die Leiterinnen des Waisenhauses nicht daran interessiert sind, dass ihnen langfristig geholfen wird. Man wird das Gefühl nicht los, dass sie am liebsten einfach nur Geld haben würden. Zum Beispiel wollten sie die holländischen Austauschschüler davon überzeugen, auch den Leiterinnen, die heile Schuhe hatten, neue Schuhe zu kaufen. Frei nach dem Motto: Die Europäer haben Geld, können es hier lassen und dann wieder gehen. Das SoEx-Department überlegt, ob es die Activities für das Shenbaganur Orphanage einschränkt, doch halte ich das nicht für eine gute Idee, da letztendlich dann die Kinder darunter leiden würden.
Die zweite Adresse, an der geholfen wird, ist das Mercy Home. Dort leben größtenteils alte Frauen, aber auch zwei Männer, abgeschottet auf dem Berg und haben meist nicht die Kraft, ihr Haus zu verlassen.
Die Wohn – und Lebensverhältnisse sind natürlich nicht die, die man aus Europa kennt und selbst für indische Verhältnisse nicht gerade berauschend.
Wir besuchen jede Woche mit ungefähr zehn Kindern das Mercy Home und spielen Brettspiele mit den Frauen und Männern oder lassen uns ihre persönlichen Schätze zeigen, die sie mit stolzer Miene präsentieren und versuchen, auf Tamil die Geschichten darüber zu erzählen.
Wir haben genug Geld zusammenbekommen um ihnen neue Matratzen zu kaufen. Zwar sind die Betten alle unterschiedlich zusammengewürfelt und teilweise auch nur provisorisch, doch wir haben jedes Bett einzeln vermessen und maßgeschneidert herstellen lassen, sodass wir die Matratzen problemlos individuell verteilen konnten.
Samstags bin ich im selben Rahmen wie auch im Shenbaganur Orphanage mit den übrig gebliebenen Essen der Schule im Mercy Home und verteile es dort.
Im Tribal Orphanage findet jede Woche das sogenannte „Youthrise-Projekt“ statt.
Es ist dem des Shenbaganur Orphanage nicht ganz unähnlich, nur dass wir dort die Möglichkeit haben, interessante Aktionen mit den Schülern zu machen, die auch langfristig noch eine Wirkung haben. Zum Beispiel haben wir vor kurzem mit bunter Farbe die Einrichtung ein wenig freundlicher gemacht. Jedoch konnte jeder Schüler danach seine Kleidung wegwerfen oder als Mal-Kleidung verwenden, da das Streichen mit den Schülern und Kindern irgendwann in einer wilden und kompromisslosen Farb-Schlacht endete.
Im Polio Home sind Menschen mit speziellen Bedürfnissen beschäftigt. Ähnlich wie in deutschen Einrichtungen, wie zum Beispiel den Rotenburger Werken, führen sie zusammen leichtere Handwerke aus.
Zum Beispiel wurden die Plastiktüten in Kodaikanal nahezu abgeschafft. Stattdessen werden aus alten Zeitungen unter anderem vom Polio Home Papiertüten hergestellt.

Vor knapp drei Wochen war die sogenannte „Field-Trip-Week“. Anders als in Deutschland fährt an der KIS jede Klasse zur selben Zeit auf „Klassenfahrt“. Außerdem haben die meisten Klassenfahrten auch einen sozialen Hintergrund.
Ich bin als Chaperone auf den „EMOTE-Trip“ nach Chennai gefahren.
Ich war als einer von drei Chaperones, sozusagen als Begleiter der Leiterin, mit 26 SchülerInnen auf einem Field Trip mit dem Motto: Wir nehmen selbstgeschriebene Songs mit sozialen Aspekten auf, machen ein Musikvideo dazu und außerdem einen Auftritt. Während der Vorbereitung hat „Dash“ (offiziell „Ellen Walter“), die Field-Trip-Leiterin, mir die musikalische Leitung übertragen. Klingt soweit super spannend, aber es ist verdammt anstrengend, zeitraubend und vor allem auch nervenraubend, wenn 26 individuelle Künstler aufeinandertreffen und zusammen etwas vollbringen müssen (Tränen, Streits und Intrigen mit inbegriffen). Eine wirklich anstrengende Vorbereitungszeit.
Der Trip war aber super. Chennai ist zwar der heißeste und trockenste Ort, an dem ich je war, aber dennoch war es mal interessant, eine indische Hauptstadt zu besuchen.
Zuerst waren wir im Pratyasha Orphanage, ein Waisenhaus mit AIDS-Waisen. Über dieses handelt auch einer der Songs der aufgenommen wurde.
Vier Tage lang war ich dann in zwei verschiedenen, relativ professionellen Aufnahme-Studios (eines davon von einem der Gitarristen der Michael Jackson Tribute Band).
Dann haben wir selber im Waisenhaus und in den Staudämmen, über die das andere Lied handelt, gefilmt und waren darauf für einen Tag in einem Filmstudio. Dass wir mit dem einen Lied gegen Staudämme protestieren, hat den Hintergrund, dass ganze Dörfer vertrieben und umgesiedelt werden, nur damit ein einzelner Konzern an Wasser Geld verdient.
Bisher haben wir es „nur“ in die Tageszeitung Chennais geschafft, aber wir hoffen auch bald im Radio zu hören oder vielleicht im Fernsehen zu sehen zu sein.
Persönlich habe ich eine tolle Zeit bisher mit tollen Leuten. Doch eine Sache stellt mich noch nicht ganz zufrieden:
Ich habe das Gefühl, dass ich hier zwar einiges tue, doch dass alles schon vorgefertigt ist. Ich habe den Idealismus, dass ich selber etwas hochbringen kann, was sich langfristig in der Sozialarbeit der Schule integriert.
Deswegen plane ich gerade, schon mit Zustimmung meiner Chefs, ein neues Projekt, das in die Arbeit des SoEx Office mit eingebunden werden soll:
Englischunterricht für Waisenhauskinder in Verbindung mit Tamilunterricht für Schüler der KIS. Geplant ist, dass es ab Januar, also dem neuen Semester, startet. Ein kühnes Vorhaben, das aber hoffentlich mit einer gewissen Nachhaltigkeit in die Tat umgesetzt werden kann.
Die ersten drei Monate sind wie im Flug vergangen und ich freue mich auf eine weitere tolle Zeit an der Kodaikanal International School in Indien.
Ich berichte in meinem Blog noch ein wenig ausführlicher über meine Zeit. Die Adresse ist:
http://jonaskisandreanum.blogspot.com

2 Kommentare:

  1. Hey Johnny :)

    Das mit dem Englisch find ich ne super Sache! Ich hab zwar überhaupt keine Ahnung von den Umständen etc., aaaaaaaaaaber es klingt sehr sinnvoll! Wünsch dir viel Erfolg bei dem Plan!

    ..also wenn du ma nicht in den Himmel kommst.. :D

    (achja dir als größter Klugscheißer von allen darf ich das ja sagen ^^, es heißt coMMunity mit 2xM)

    :-*

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  2. Back-Klugscheiß: Es heißt "... dir als (den) größteN Klugscheißer ..."

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