Dies ist die Geschichte von Jonas, der im Juli 2009 Familie, Freunde und Heimat verlassen hat, um für ein Jahr in Kodaikanal, einem kleinen Ort auf einem Berg im Bundestaat Tamil Nadu in Indien, im Social Experience Department der Kodaikanal International School zu arbeiten.

Mittwoch, 18. November 2009

Ein großer Schock

Vor einer Woche ist Keon Hee Lee, ein koreanischer Neunt-klässler, auf das Dach des Indoor-fields gestiegen. Dabei ist dieses eingebrochen und der Junge fiel auf das Steinfeld.
Er wurde nach Madurai ins Krankenhaus befördert und dort für eine Woche behandelt. Sein Zustand war immer kritisch, jedoch soll er sich stetig verbessert haben und wir waren guter Hoffnung, dass wir ihn gesund wiedersehen werden.

Heute Morgen ist er aufgrund einer Infektion, die seinem Zustand zu schaffen machte, gestorben.

Die gesamte Schule ist unter Schock. Man geht auf dem Campus herum und sieht die Leute fassungslos beieinander stehen und sitzen. Es ist eine schwere Situation für alle.

Unsere Gedanken sind bei der Familie.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich jetzt noch weiteres schreiben soll. Ich hoffe, dass seine Familie und Freunde sich gegenseitig genug Trost spenden können, um dieses zu überstehen.

Sonntag, 15. November 2009

November-Bericht

Es tut mir Leid, aber in letzter Zeit passieren viele Dinge, die mir Zeit und Energie nehmen, sodass ich zu wenig in diesen Blog schreibe. Jedoch habe ich mir fest vorgenommen, nach den Ferien wieder mehr zu berichten.
Vorletzte Woche sollte das Englisch-Programm Premiere haben (Meine Idee ist, Tamil Unterricht für Schüler in den Waisenhäuser gleichzeitig mit Englisch Unterricht für Waisenhauskinder geben zu lassen).
Es sollte eine Art Test-Pilot werden. Zwei Lehrerinnen sollten Unterricht geben, jedoch wurde eine von beiden krank und wir haben uns überlegt, dass wir vielleicht nächstes Semester (Januar) dann richtig groß einsteigen. Ein kleiner Rückschlag, der aber normal ist, wenn man etwas ganz neues aufbauen möchte. Und im Januar geht es dann richtig los.
Letzte Woche ist ein riesiger Baum (die Bäume sind hier viel größer als in Deutschland) umgefallen und hat mit der Krone unser Haus getroffen. Es ist nicht viel passiert, außer dass der Baum die Stromleitungen durchtrennt hat, sodass wir mehrere Tage keinen Strom und somit kein warmes Wasser hatten. Ich habe mich an meine ersten 1 ½ Monate in meiner ersten Behausung zurückversetzt gefühlt. Jedoch ist nun wieder alles so, wie es sein soll.
Unser Social Experience Department hat inzwischen ein eigenes Auto, sodass wir nun jeden Tag im Mercy Home und im Tribal Orphanage Essen verteilen können. Roy und ich haben schon unseren indischen Führerschein beantragt, jedoch warten wir auf den zuständigen Herren (keine Ahnung, ob er Beamter oder Fahrlehrer oder ähnliches ist), der mit uns ein paar Meter fährt und dann entscheidet, ob und wie viel Fahrstunden bzw. Fahrprüfung wir brauchen.
Ich wurde zum Kapitän des Staff-Fußball-Teams ernannt. Wer meine bescheidenen Fußballkünste kennt, der erkennt, wie schlecht dieses Team sein muss, wenn ich der beste Spieler des Teams bin. Wir haben jedes Spiel verloren und ich verzweifelte jede Woche erneut an den ehrlich gesagt grottenschlechten Mitspielern :-D. Sobald ich zum Beispiel einen Pass spiele, renne ich zurück, da ich weiß, dass der Ball eh wieder verloren geht und ich wieder verteidigen muss. Zur Entschuldigung muss ich sagen, dass alle anderen Mitspieler Amerikaner und Inder sind, und Fußball ist weder hier noch in Amerika unbedingt der beliebteste Sport. Ich versuchte, ihnen ein wenig deutsche Fußballphilosophie beizubringen und alles auf Defensive zu stellen. Das Ergebnis war, dass wir nicht 0:9 sondern nur 0:2 verloren. Immerhin ein Fortschritt. Jetzt ist die Saison zum Glück vorbei und ich kann wieder nachmittags mit den Schülern kicken.
Im Urlaub wollen Roy, Ola, Gelek (durch Zufall alle Tibeter) und ich nach Goa. Ich werde dann außerdem noch nach Bangalore zum Zwischenseminar. In Goa werden wir wohl bei den Cousins von Gelek übernachten. Wenn das Geld reicht wird vielleicht auch noch ein kleiner Trip nach Bombay drin sein, aber mal sehen, ob das auch funktioniert.
Wie danach mein Trip aussieht, weiß ich noch nicht. Es sind 5 Wochen Ferien, von denen nur diese 4 Tage Goa Anfang Dezember geplant sind. Ich bin ein wenig (=“sehr“) ängstlich, dass ich 4 Wochen lang vor Einsamkeit eingehe, da nahezu jeder Volunteer mit Familie oder Freunden, die nach Indien kommen, unterwegs sind. Roy hat mir heute angeboten, nach Kolkata über die Feiertage zu seiner Familie mitzukommen, was sehr schön ist, jedoch auch merkwürdig sein kann. Mal gucken, ob das möglich ist. Ich schaue mich noch nach weiteren Möglichkeiten um, doch ehrlich gesagt sind die ein wenig rar. Außerdem habe ich auch nicht allzu viel Geld. Naja, ich kriege das schon irgendwie hin.
Am Samstag waren unsere letzten SoEx Saturday Activities für dieses Semester (vieles, was von dem ich in diesem Blog berichte, findet am Samstag statt, die Verwaltung und Planung etc. über die Woche). Jetzt reflektieren wir viel darüber, was gut und schlecht war und wie wir all dieses im nächsten Semester verändern können. Ich werde ein wenig die Administration verändern, da doch vieles viel zu umständlich und unübersichtlich ist, jedoch sind das kleine Änderungen (wie zum Beispiel Online-Eintragslisten). Doch wirklich am Herzen liegt mir natürlich das Englisch-Programm.
Das war ein weiterer Zwischenbericht, viele liebe Grüße an alle und bis bald =).
Jonas