Dies ist die Geschichte von Jonas, der im Juli 2009 Familie, Freunde und Heimat verlassen hat, um für ein Jahr in Kodaikanal, einem kleinen Ort auf einem Berg im Bundestaat Tamil Nadu in Indien, im Social Experience Department der Kodaikanal International School zu arbeiten.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Zweiter Quartalsbericht

Zweiter Quartalsbericht von Jonas Hauke Kodaikanal, Tamil Nadu, Indien

Halbzeit – echt jetzt?!

Es ist tatsächlich schon die Hälfte rum. Und es fühlt sich so an, als ob ich gerade mal erst den ersten Quartalsbericht abgeschickt hätte.
Dabei hat sich seit dem letzten Bericht bei meiner Arbeit gar nicht so viel Neues getan. Wie gewohnt arbeite ich immer noch im SocialExperience Department in der Kodaikanal International School (KIS) und unsere Aufgabe ist es, mit den Schülern nach der Schule soziale Aktivitäten zu gestalten. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf zwei lokale Waisenhäuser und ein Mercy Home.

Ich hatte im letzten Bericht ja schon über das Englischprogramm für Waisenhauskinder berichtet, das ich ins Leben gerufen habe (beziehungsweise immer noch dabei bin).
Nun, es ist immer noch in Planung. Es hat eine ein wenig gescheiterte Premiere hinter sich, da nur eine der beiden Lehrerinnen aufgetaucht ist. Also waren meine Chefs und ich uns einig, dass wir im Januar voll mit dem Programm durchstarten. Es hat nämlich das neue Semester vor fünf Tagen begonnen und wir hoffen, die Schüler wieder mehr für die SocialExperience-Aktivitäten begeistern zu können. Ich hoffe auf einen gelungenen Start am übernächsten Samstag.
Außerdem werde ich vermutlich ein wenig im MYP Bereich aushelfen. Das bedeutet, dass wir soziale Engagements der 5.-10. Klassen leiten. Zum Beispiel ist ein wöchentlicher Computerlehrgang für indische Kinder, die größtenteils nie bis selten an einem Computer saßen, geplant. Besonders freue ich mich darauf, dass ich vielleicht das Fußballturnier mit Waisenkindern aus dem Tribal Orphanage dieses Jahr leiten werde. Der so genannte „Mother Theresa Cup“ findet jedes Jahr statt und ich hoffe, die Organisation dafür dieses Jahr an mich reißen zu können (die Chancen stehen nicht so schlecht).

Morgen werde ich mit dem Bus nach Bangalore fahren, wo übermorgen das Zwischenseminar mit weiteren 15 Freiwilligen stattfindet. Wenn ich dann in 10 Tagen wiederkomme, steigt die vom SoEx organisierte Karnivalsparty. Jedoch werde ich an der Planung nicht groß teilnehmen können, da ich ja in Bangalore bin, das stört mich aber auch nicht, da die Party eh nur für die KIS Schüler ist.
Die letzten fünf Wochen waren für mich aber persönlich sehr ereignisreich.
Da ich ja an einer Schule arbeite, haben wir Ferien. Und diese Chance habe ich genutzt, um mir Auroville, Kolkata und Goa anzuschauen. Ich bin mit meinem Arbeitskollegen Roy herumgereist. Eine äußerst ereignisreiche Reise, mit vielen Eindrücken und vielseitigen Erlebnissen.

Auroville ist ein Platz, wie ich ihn noch nie gesehen habe.
Es ist traumhaft idyllisch auf eine Art und Weise, wie man es sich nicht vorstellen kann, da es keiner typischen tropischen Vorurteils-Landschaft ähnelt. Roter Sand, viele Bäume, eine Menge exotische Tiere, aber auch eine Menge Kühe, eine Menge Peacocks, die immer herumschreien und wie Katzen klingen und vieles mehr. Es ist aber vor allem für indische Verhältnisse äußerst sauber und Roy war ganz erstaunt, dass es dort so etwas Ähnliches wie Mülltrennung gibt.

Nach einer Zwei-Tage-Zugfahrt (in Indien immer ein Erlebnis) sind wir dann über Chennai nach Kolkatata gefahren. Roy hatte mich aber schon vorgewarnt: Die Behausung ist nicht gerade luxuriös. Und das ist noch nett ausgedrückt. Wir haben in einer Art „Ghetto“ gelebt, in dem sich oft die Menschen in den Straßen mit dem angezapften und dreckigen Wasser waschen. In Deutschland in der Schule haben wir das Thema „Indien“ schon behandelt und die Verhältnisse, die dort oft in den Filmen gezeigt und als „für westliche Standards ungewohnt“ beschrieben wurden, ähnelten stark den Verhältnissen, in denen ich für kurze Zeit lebte. Aber ich habe mich damit arrangieren können, vor allem, da ich mir immer wieder grinsend gedacht habe, dass diese Erlebnisse vermutlich noch meine Enkelkinder zu hören kriegen werden. Und bin ja auch heile nach Goa gekommen. Dort habe ich nämlich Sylvester mit Roy und einem weiterem Freund aus Kolkata verbracht. Ich hatte meinen zweiten Sommer Urlaub des Jahres am Strand.
Vor allem die Sylvester-Party wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, da ich ungefähr 8 weitere deutsche Freiwillige getroffen und mit ihnen gefeiert habe. Diese haben mir auch von ihren Einsatzstellen erzählt (es seien ungefähr 30 Deutsche Freiwillige in der gleichen kleinen Stadt irgendwo im Norden Kerala’s stationiert und sie haben dort eher wenig zufriedenstellende Einsatzstellen).
Ich bin dann alleine mit dem Bus nach Chennai gefahren, bin dort tagsüber geblieben und bin dann mit einem weiteren Langstreckenbus nach Kodaikanal zurückgekehrt.
Und nun hat das neue Semester wie gesagt wieder angefangen und ich hoffe, dass wir mit vielen neuen Ideen wieder voll durchstarten können.
Vor allem, wenn ich mit anderen Freiwilligen spreche und unsere Situationen vergleiche, wird mir immer bewusst, wie zufriedenstellend meine Arbeit in und an der KIS ist und wie dankbar ich für diese Chance sein kann.
Ich berichte wie gesagt immer mal wieder in meinem Blog über meinen Zeit in Indien (http://jonaskisandreanum.blogspot.com), jedoch ist der letzte Eintrag schon einen Monat alt. Meinen ersten Quartalsbericht und auch Berichte von anderen Einsatzstellen rund um die Welt kann man auf http://www.welten-wechsel.de/ nachlesen.
Dann bleibt mir nichts anderes mehr zu sagen als „ Auf Wiedersehen“.
Viele liebe Grüße aus dem für deutsche Verhältnisse mildem und für indische Verhältnisse bitter kaltem Kodaikanal.

Jonas Hauke
Weltwärts-Volunteer
Indien
Tamil Nadu

1 Kommentar:

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